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Musikproduktion

Aufnahme
 

Achtung Aufnahme!

Berlin-Wannsee, Andreaskirche: Wäre man beim Film, würde man ziemlich oft den Ausruf „Klappe“ hören: „Psalm 148, die vierte“. So in etwa. Hier stehen aber keine Mimen vor der Kamera, sondern sechs außergewöhnliche Stimmen im Halbrund. Sie gehören Viola Blache, Franziska Eberhardt, Marie Venske, Marie Charlotte Seidel sowie Felicitas und Helene Erben. Zusammen bilden sie das Vokalensemble Sjaella und nehmen gerade ihre neue CD mit Chormusik des 20. und 21. Jahrhunderts auf.

Tonmeister
Unser Tonmeister Tobias Hoff (hinten links)
mit Tonassistent Yannick Spohr

Am Set sitzt auch kein Regisseur, der nach misslungenen Szenen entnervt in seine Hutkrempe beißt oder weinend seine Zigarre zerkaut, wie man es vielleicht aus der einen oder anderen Filmszene kennt: Hier sitzt Tobias Hoff, Diplom-Tonmeister von Rondeau Production. Er ist dafür verantwortlich, dass die Aufnahme gelingt. Und daher hört man eben sinngemäß öfters „Psalm 148 – die vierte“, fünfte oder sechste. Die Aufnahme beginnt für Hoff bereits lange vor dem Aufdrehen der Mikrophone: mit der Auswahl des Produktionsortes.

Die Andreaskirche in Wannsee, wo Sjaella die nächsten Tage musizieren wird, hat eine für kleine Besetzungen bestens geeignete Akustik. Der Raum ist abgelegen und trotzdem gut erreichbar – perfekt also für eine intime Produktionsatmosphäre. Da Hoff sowohl mit der Lokalität als auch mit dem Ensemble bereits vertraut war, brauchte es für die Einrichtung des Raumes – Mikrofone, Beleuchtung, Kabelstränge und die Tonregie im Eingangsbereich – diesmal wenig Zeit, wofür ansonsten zwischen 30 und 60 Minuten veranschlagt werden. Zwölf Mikrofone kommen diesmal zum Einsatz, von denen sechs direkt den Gesang aufnehmen und die anderen der Absicherung und individuellen Balance der Stücke dienen, wenn dies nicht durch den Raum zu lösen ist.

Wo früher große Bandanlagen nötig waren, tut es heute ein PC mit professioneller Audio-Software. Der Klang wird über Mikrofonverstärker der Marke RME umgewandelt und über ein Interface des gleichen Herstellers aufgezeichnet. Überraschend kompakt ist also das Equipment im Regieraum. Dennoch genügt es den höchsten Ansprüchen. Um für die Nachbearbeitung beste Ergebnisse zu erreichen zeichnet Hoff die Audiospuren übrigens in doppelt so hoher Qualität auf, wie sie für das spätere CD-Format eigentlich benötigt wird.

Sjaella
Das Vokalensemble Sjaella

Für eine Marienerscheinung braucht es sicherlich kein derart technisches Equipment. Aber kaum hat man den Kopfhörer, den Hoff einem reicht, aufgesetzt, hat man den Eindruck, als höre man die Engel singen: die „Preisung CXLVIII“, eine Vertonung des Psalms 148 in der Übersetzung von Martin Buber, komponiert von Volker Bräutigam – eine der Auftragskompositionen für die neue CD. Dabei steht man doch nur im Vorraum der Kirche!

Ist im „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry das Wesentliche nur mit dem Herzen sichtbar, ist es hier nur mit den Ohren wahrzunehmen, denn zwischen Tonmeister und dem Ensemble besteht keinerlei Sichtkontakt. Dennoch sind beide Partner aufs engste miteinander verbunden. Kommuniziert wird ausschließlich via Lautsprecher, wenn Hoff Anmerkungen zum eben Aufgezeichneten macht. Und natürlich über die Musik: Der Tonmeister hat die Partitur vor sich, in der er sich zu jedem Take Notizen macht.

Mal stimmt die Intonation nicht, mal die Absprache. Hoff arbeitet hier wie ein akustischer Seismograph, der bereits das kleinste Nachlassen in der Spannung registriert. Und moniert: „Lasst euch hier mal mehr Zeit“, fordert der Tonmeister, stets die Postproduktion im Auge: Wo kann man schneiden? Welche Übergänge brauche ich?

Während sich die Damen von Sjaella selbst dirigieren, führt Hoff den Taktstock sozusagen im Hintergrund. Eine Klaviertastatur auf dem Smartphone dient der permanenten, für das Ensemble unhörbaren Intonationskontrolle. Hoff kennt jede Stimme genau. Der nonverbale Dialog kommt hier durch den Klang zustande.

Leuchtet das rote Licht im Altarraum auf und ist das Mikrofon im Vorraum abgeschaltet, hebt der Gesang an. Bis zum finalen „Wir sind durch“ vernimmt Sjaella oft ein „Das war’s leider (noch) nicht!“ Wohlgemerkt: alles im Dienste der Aufnahme, denn hört man den sechs perfekt ausbalancierten wunderschönen Stimmen zu, fragt man sich, was es daran wohl auszusetzen gibt. Für Hoff zählt aber nur die Perfektion, die er für die spätere CD unabdingbar braucht. Und das gilt auch für die Sängerinnen, die sich durchaus auch selbst kritisieren und korrigieren.

Hoff hat übrigens ein spürbares Händchen dafür, wann er sozusagen Leine lassen kann und wann er diese mal kurz anziehen muss. Da wird auch schon mal behutsam gedrängt – schließlich hat der Tag nur 24 Stunden (und ein Aufnahmetag aufgrund der psychischen und physischen Anstrengung noch weniger). Kritik ist dennoch stets konstruktiv: Ein Tonmeister muss immer auch ein bisschen Pädagoge sein – selbst wenn er es meist mit erwachsenen Künstlern zu tun hat.

Die CD ist, das wird dem Besucher am Set schnell klar, ein absolutes Gemeinschaftsprodukt. Hoff vergleicht seine Tätigkeit nicht von ungefähr mit dem Kochen: Ist das Studio während der Postproduktion seine Küche, ist die Aufnahme selbst ein aufmerksamer Gang über den Markt, wo die besten Zutaten frisch eingekauft werden.

Am Ende ist dann doch alles „im Kasten“. Und nicht nur der Tonmeister ist hochzufrieden, sondern auch Sjaella: „Die Tage waren geprägt von hochkonzentrierten Arbeitsphasen, auflockernden Pausen, von großem Ehrgeiz, Kreativität und neuen Ideen“, freut sich Viola Blache: „Und von einer äußerst angenehmen und krampflosen Aufnahmeatmosphäre ohne großen Zeitdruck an einem wunderbarem Ort mit einem wunderbaren Tonmeister.“ Auch Franziska Eberhardt resümiert: „Es war eine intensive Zeit mit Höhen und Tiefen und wir hatten einen wunderbaren Tonmeister, der uns stets motivieren konnte und immer, wenn es zwischen uns Sjaellas mal haarig wurde, der ausgleichende Pol war.“ Helene Erben lobt auch die gute Wahl des Aufnahmeortes: „Ich bin sehr froh, dass die Akustik wirklich absolut perfekt für unseren Klang und den Klang unserer Stücke geeignet war. Wir hatten die Kirche vorher noch nie gesehen, sie wurde uns nur empfohlen.“

Und um noch mal das Bild vom Film aufzugreifen: Zuweilen sind im Abspann „Outtakes“ zu sehen, misslungene Szenen, lustige Patzer – das zeigt, dass selbst die größten Stars auch nur Menschen und die besten Streifen ein Werk aus vielen Schritten und Schnitten sind. Auf einer CD mit geistlicher Chormusik der Gegenwart wirkte so etwas natürlich deplatziert, zum Beispiel wenn Hoff abbricht und eine Stimme mault: „Och Mann, dabei war das sooooo schön.“ Solche Outtakes würden allerdings dokumentieren, wie gut die Stimmung am Set ist, wenn man mit den Tonmeistern von Rondeau Production aufnimmt. Trotz aller Anstrengung und Konzentration. Oder vielleicht ja auch genau deswegen.